Der plötzliche Kindstod ( der Lesestoff soll keinesfalls den Arztbesuch ersetzen )
Der Plötzliche Säuglingstod (SID = Sudden Infant Death) ist hierzulande noch immer die häufigste Todesursache im 1. Lebensjahr. Trotz vieler Präventionskampagnen schlafen in Deutschland pro Jahr fast 500 Babys in den Tod (SID) - das sind fast 10 Kinder pro Woche! Somit versterben jedes Jahr mehr Säuglinge infolge SID, als Kinder und Jugendliche durch Verkehrsunfälle oder maligne Erkrankungen.
Neben den bekannten SID-Präventionsmaßnahmen - insbesondere die "rauchfreie Umgebung für Babys" - haben zahlreiche Studien gezeigt, dass die Rückenlage die sicherste Schlafposition für Säuglinge ist. Bauch- und Seitenlage sind mit einem deutlich höheren Risiko für SID verbunden.
Trotzdem empfehlen auch Kinderärztinnen und -ärzte, Krankenschwestern, Geburtshelfer und Hebammen hin und wieder die Seitenlage als Schlafposition und nehmen dadurch ein deutlich erhöhtes Risiko (2- bis 6-fach erhöht) für den Plötzlichen Säuglingstod in Kauf. Die Seitenlage ist eine instabile Position, aus der das Baby in die Bauchlage gelangen/rollen kann und sie wirkt sich zu dem auch ungünstig auf die Hüftentwicklung aus.

Viele Menschen glauben, dass die Rückenlage des Säuglings im Hinblick auf ein Verschlucken von Erbrochenem (Aspiration) gefährlich sei. Umfangreiche Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass es nach Einführung der Rückenlage als Regelschlaf-
position nicht zu einem Anstieg der Todesfälle kam, die auf Nahrungsaspiration zuräckzufähren waren.
In einer neueren Untersuchung konnte zudem belegt werden, dass die Schutzreflexe, die eine Aspiration von Mageninhalt verhindern sollen (Schlucken, Husten, Aufwachen), in Bauchlage schlechter funktionieren als in Rückenlage. Zudem kommt der Eingang der Luftröhre (Kehlkopf) in Bauchlage unterhalb der Speiseröhre zu liegen, so dass erbrochene Nahrung in Bauchlage entsprechend der Schwerkraft direkt vor den Kehlkopf fließt. Insofern führt ein Hochbringen von Mageninhalt in den Rachen in Bauchlage vermutlich sogar eher zu einer Aspiration als in Rückenlage.

Ein Baby kann und soll auch auf dem Bauch liegen: wenn es wach ist !!! Dies hilft insbesondere bei Blähungen und fördert die motorische Entwicklung durch Training der Rückenmuskulatur. Wenn das Baby sich regelmäßig im Schlaf in Bauchlage dreht - dies geschieht in der Regel nicht vor einem Alter von 5 Monaten - kann man es so schlafen lassen. Diese Babys scheinen durch die Bauchlage nicht mehr gefährdet zu sein und verhindern können dies die schlafenden Eltern ohnehin nicht mehr.

Wie können Sie als Eltern vorbeugend wirken ?
Lassen Sie Ihr Baby auf dem Rücken schlafen
Die meisten Babys, die im Schlaf in den Tod gleiten, werden auf dem Bauch liegend mit dem Gesicht nach unten gefunden.
Wenn sich das Baby im etwa 6. Lebensmonat selbst in die Bauchlage dreht (und wieder zurück), ist dies unbedenklich.

Schützen Sie Ihr Baby vor Überwärmung
Neugeborene müssen vor Kälte und Zugluft geschützt werden, nach einigen Wochen ist die Gefahr der zu starken Auskühlung vorbei, dann bedeutet zu viel Wärme Gefahr.
Zwischen 2 und 7 Monaten (in diesem Alter tritt SID am häufigsten auf) sollte man dem Kind während des Schlafs nicht zu viel Hitze zumuten. Ideal sind 16 - 20 Grad im Zimmer. Wärmflaschen oder Heizdecken sind unnötig.
Das Baby soll nicht neben dem Heizkörper oder in der Sonne schlafen (Tragetasche nicht auf die Fußbodenheizung stellen).
Ob Ihrem Baby zu kalt oder zu warm ist, können Sie am besten an Stirn oder Nacken prüfen. Kalte Hände oder Füße liefern dafür keine zuverlässigen Beweise.

Sorgen Sie für eine optimale Schlafumgebung
Bitte keine Daunen , keine flauschigen, weichen Kopfkissen oder weiche Nestchen im Babybett. Am besten ist ein Schlafsack, der dem Baby lediglich bis unter die Arme reicht.
Wird das Baby unter eine Decke gebettet, so sollte die Bettdecke höchstens bis zur Brust reichen und am Fußende unter die Matratze geschlagen werden !

Zwingen Sie Ihr Kind nicht zum Mitrauchen
Neben der Bauchlage ist derzeit das Rauchen das wichtigste vermeidbare Risiko für den Plötzlichen Kindstod.
Würden alle schwangeren Frauen und ihre Partner auf das Rauchen verzichten, so könnte die Sterblichkeit an SID in Deutschland um etwa die Hälfte gesenkt werden.

Lassen Sie Ihr Baby in Ihrer Nähe schlafen
Es kann lebensrettend sein, wenn das Baby im Zimmer der Eltern schläft (jedoch in seinem eigenen Bettchen !).
Das Mit-Schlafen im Elternbett hat sich als eher ungünstig erwiesen.

"Trainieren" Sie das wache Baby
Die Bauchlage des wachen Säuglings soll durchaus mehrmals täglich geübt bzw. angeboten werden, insbesondere z.B. nach den Mahlzeiten. In dieser Position ist ein Ablassen von blähender Luft über Mund und Darm oft leichter möglich.